
Friede in der theologischen Diskussion - möglich?
Wer, wie meine Wenigkeit, gerne theosophische Diskussionen führt, der hat bestimmt schon Erfahrungen damit gesammelt. Besonders aktive Mitglieder organisierter Religionen neigen dazu dieses Verhalten an den Tag zu legen: Das eigene Weltverständnis als unumstößlich anzusehen. Doch – wieso ist das so? Woher kommt der Drang dazu uns selbst die Chance zu nehmen uns weiterzuentwickeln? Gehen wir der Sache ein wenig auf den Grund. Gemeinsam.
Das Problem mit der Basis
Wenn wir heute miteinander darüber philosophieren ob es einen Gott gibt oder nicht, wie er heißt oder was er uns sagen und geben will, dann ist das ein Privileg. Toleranz ist etwas, das noch nicht so lange im Denken der Menschen Fuß gefasst hat – und jeder von uns sollte sich darauf konzentrieren sie dort zu behalten.
Nichts desto trotz scheint sie uns manchmal abhanden zu kommen.
Diskussionen zwischen zwei Menschen, die unterschiedlichen religiösen Richtungen angehören gestallten sich immer schwierig. Schließlich ist es nicht einfach auf einen gemeinsamen Nenner, ja eine gemeinsame Argumentationsbasis zu kommen. Zwischen organisierten Religionen und Heiden ist die Sache sogar noch eine Spur komplizierter; denn wenn Moslems mit Christen diskutieren gibt es ein breites Spektrum an Gemeinsamkeiten. Die abrahamitischen Religionen können zum Beispiel auf einen gemeinsamen Schöpfungsmythos zurückgreifen. Aber wie sieht das zwischen Christen und Heiden aus?

Lippenbekenntnisse zählen nicht - es geht um echte Christen
Erstmal möchte ich näher definieren welche Gruppe von Christen ich meine. Ich gehe in meinem Blog nicht von den „Bekenntnischristen“ aus, die das Wort „Dreifaltigkeit“ in der Bibel suchen würden (für all jene die nicht wissen was ich damit sagen will: Dieses Wort kommt in der Bibel nicht vor da es eine katholische Installation ist), sondern von bemühten Bibelkennern.
Um argumentieren zu können muss ein solcher Christ auf die Inhalte der Bibel zurückgreifen: Wer davon ausgeht, dass alles wortwörtlich so passiert ist wie es in der Bibel steht, hat keine andere Quelle. Man könnte maximal noch auf Alltagsbeobachtungen zurückgreifen – aber sind diese geeignet? Immerhin ist das Erleben des Alltags geprägt von unseren eigenen Anschauungen und darf somit als „subjektiv“ bezeichnet werden.
Und um das Problem noch ein wenig auszuweiten: Auch das Heidentum, dessen Weltanschauung sich hauptsächlich auf Alltagsbeobachtungen stützt, hat das gleiche Problem.
Was also bleibt
Es gibt also eigentlich nur die Methode eine These aufzustellen und dann darüber zu diskutieren. Logik und Wissenschaft (die in einem Zirkelbezug zueinander stehen) können dabei unsere einzigen Begleiter sein. Warum? Recht einfach: Die Inhalte eines Glaubens müssen in sich geschlossen richtig und mit unseren geschichtlichen Erkenntnissen vereinbar sein. Dsa schließt grundsätzlich zwar auch zukünftige Funde mitein – sollte aber nicht notwendig sein.

Während bei der Schülerin in der Reportage die Welt erschaffen wurde, waren unsere Vorfahren erst bei den Pfahlbauten angelangt.
Wenn also jemand behauptet, dass die Erde anstatt der von der Wissenschaft attestierten Millionen nur einige tausend Jahre (Dokumentation gefällig? Teil 1, Teil 2, Teil 3) auf dem Buckel hat, der muss sich Fragen stellen wie: Wo liegt der Fehler in der Radiokarbonmethode zur Bemessung des Erdalters? Wenn jemand behauptet, dass ein ganzes Volk durch seinen Gott aus seinem Sklavendienst befreit wurde – der sollte auch die entsprechenden Funde dazu bereit halten.
Mir ist bewusst, dass es eine recht ungleiche Situation ist. Die Bibel ist ein feststehendes Werk und somit anfällig für Kritik, während in den wenigsten heidnischen Gemeinschaften ähnliche Werke existieren. Und selbst wenn gehen die wenigsten Heiden davon aus, dass ihre Mythen als historische Dokumente gelten sollen: Vielmehr ist es eine Ansammlung von Gleichnissen. Wer diese Gleichnisse anzweifelt hat ein breites Betätigungsfeld und zumeist ein Handicap: Heiden neigen dazu ihre Mythen den Gegebenheiten der Zeit anzupassen, was nach christlichem Verständnis der Welt überhaupt nicht möglich ist.
Tja. Ein Dilemma.
Was gar nicht geht
Wo sich meiner Meinung nach der Spaß aufhört ist dort, wo immer der Glaube anderer als „vollkommen böse“ dargestellt wird. Da reagiere ich allergisch – und nicht nur im Bezug zu meiner eigenen Religion. Militanter Atheismus ist zum Beispiel eine furchtbare Angelegenheit. Anderen Menschen ihre Hoffnungen nehmen zu wollen ist keine Lösung für eine eigene Sinnkrise.
Aber auch da stoßen wir auf Probleme: So neigen zum Beispiel Christen dazu am Ende der Argumente, in einem Gespräch mit meiner Wenigkeit, noch ein paar Flüche auf Lager zu haben. Mir wurde schon so viel vorgeworfen, dass ich mich gar nicht mehr an alles erinnern kann; obwohl mein persönliches Highlight bestimmt jenes Vorkommen war, als mir vorgeworfen wurde aus mir spräche der Teufel. Mit Tod und Verdammnis wird mir sowieso immer gedroht. Armselig.
Aber das kommt ja nicht von ungefähr…
Der Gott mit der Enosiophobie
Kritikfähigkeit ist Grundvoraussetzung jeder Führungsposition – das lernen wir im Leben immer wieder. Wer sich nicht mit den eigenen Schwächen auseinandersetzt, der hat ein Problem. Zumeist äußert sich das durch eine Überkompensation: Diese Menschen halten sich für kaum fehlbar und denken mit jeder Idee die Welt zu retten. Sie gehen davon aus, dass die Menschen sie lieben und lassen den notwendigen „Abstand“ vermissen. Wo sie selbst kritisiert werden sind immer sofort „alle“ anderen verrückt oder dämlich – oder liegen schlichtweg falsch.
Was für Menschen gilt, gilt für deren Götter schon lange. Wenig verwunderlich deswegen auch das Verhalten des biblischen Gottes. Jeder Zweifel an seinen Entscheidungen wird mit Folter und Tot gestraft; wer nicht folgt wohin er führt wird vernichtet.
Na? Sieht noch wer die Verbindung zu den Anschuldigungen am Ende des letzten Absatzes? Ich wiederhole:
„Aus Dir spricht der Teufel“
Es wäre wirklich nett, wenn manchmal ein paar sachdienlichere, objektive Kommentare kämen. Aber … wer keine Argumente mehr hat, der muss sich halt so helfen. Ich wiederhole fürderhin: Armselig.
Selbstkritisch
Wer mich kennt wird sicherlich bestätigen können, dass ich zur Selbstkritik tendiere – und selbige hier vermissen lasse. Naja – das hat auch einen Grund. Ich habe mir nicht viel vorzuwerfen – außer einer gewissen Arroganz wenn es darum geht Belege zu erwarten. *lach*
Fazit
Jetzt ist ja doch wieder eine lautstarke Aufforderung geworden, was eigentlich als sanfte Einführung in die Gesprächskultur hätte geführt werden sollen. Sollte ich jemals ein „Patentrezept“ dafür haben, werdet Ihr das bestimmt hier lesen können.