Neue Alte Welt

Ein gewollt unbequemes Blog.

Eine Selbstreflexion: Vorwort

Geschrieben von DerSinn am 11/03/2011

Die Frage nach dem Selbst

Wer bin ich? ist wohl eine der am Meisten gestellten Fragen der Welt. Nein, ich spreche nicht davon, dass sich plötzlich eine Demenz-Epidemie ausgebreitet hat und nun alle nach persönlichen Merkmalen an sich suchen, die dabei helfen könnten die Identifikation voranzutreiben.

Ich meine das viel … tiefenwirksamer.

Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist wohl eine der am Wenigsten verbreiteten; zu sehr stehen uns eigene Meinungen und eingeübte Bilder im Weg. Redundanz ist ein Konzept, dass alle anderen miteinschließt – wir selbst wähnen uns davor immun Schlüsse auf uns selbst anzuwenden. Zu einfach lebt es sich einfach in den Tag hinein – und zu kompliziert wäre es, uns selbst von “außen” zu betrachten.

Dabei kann es wirklich lohnend sein das einmal zu tun! Denn niemand ist ohne Fehler – auch wir selbst nicht. Aus eigener Erfahrung kann ich (selbstverständlich muss das auf Andere nicht zutreffen!) sagen, dass es ein befreiendes Gefühl ist zu wissen, dass man selbst um keinen Deut besser ist als alle anderen. Gerade in einer Zeit, wo viel von Emanzipation und Selbstwertgefühl (und -bewusstsein) die Rede ist freut es einen zu wissen, dass sich diese Dinge auch daraus speisen, dass man weiß wer man nun einmal ist. Und, was vielleicht sogar noch wichtiger ist, wer man nicht ist.

Warum das Ganze?

Ich persönlich stelle mir die Frage nach dem Ich regelmäßig und versuche sämtliche Entscheidungen auch von der Seite des jeweiligen Gegenüber zu beurteilen. Freilich, das macht verwundbar – doch bin ich auch kein Heiliger oder Altruist, der nur dafür lebt anderen zu gefallen. Ganz im Gegenteil eigentlich!

Ich schreibe das, weil ich vorhabe meine mentale Selbstzerfleischung diesmal schriftlich zu machen. Zwar weiß ich natürlich nicht, inwiefern das für andere interessant sein könnte – aber vielleicht hilft es mir dabei meine Selbstreflexion noch detailreicher zu gestalten und am Ende Einsichten zu gewinnen, die für mich von Wert sind. Und selbst wenn nicht: Es könnte mir zeigen, was ich das nächste Mal daran ändern muss.

Außerdem könnte es ja andere dazu anregen es selbst einmal zu versuchen – oder gänzlich andere Praktiken zu erläutern, etwa jene mit denen sie selbst Erfahrungen gesammelt haben. Vielleicht stellt sich die Frage ja für einige lesende gar nicht, oder zumindest nicht in dieser Form?

Meine Ausgangslage

Aktuell beschäftige ich mich wieder mit dieser Thematik, weil ich zunehmend feststellen muss, wie sehr es mir auf den Keks geht was einige Menschen über andere denken. Besonders angetan hat es mir dabei gerade das Thema Frauenpolitik – aber das nur am Rande. Viel wichtiger ist mir der Umgang miteinander, das (alltags-) soziologische Element, welches unser Zusammenleben bestimmt.

Für mich ist unreflektiertes Handeln unbegreiflich. Ich habe natürlich positive Eigenschaften, die ich gerne zu verteidigen bereit sind (dazu gehören etwa die Bereitschaft zuzuhören und zu diskutieren oder fremde Konzepte zu vernehmen und sie, wenn sie den eigenen überlegen sind, in mein Denken zu integrieren) – aber auch negative, die zu erkunden jedes Mal aufs Neue die eigentliche Herausforderung darstellt.

Ich will sehen, in wie weit Vorurteile (anderer) meine Person tatsächlich betreffen und was davon absoluter Humbug ist – und wo meine eigenen liegen; dazu muss ich mich mit meinen Gedanken auseinandersetzen und deren Struktur analysieren. Auch die jeweiligen Empfindungen spielen natürlich eine Rolle, denn noch bin ich kein gänzlich un-emotionaler Vulkanier. :mrgreen:

Ja. Ich denke, dass das ganz interessant werden könnte.

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