Neue Alte Welt

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Eine Selbstreflexion: System und Ziel

Geschrieben von DerSinn am 12/03/2011

Heimwerker brauchen Werkzeug

Wenn es darum geht sich selbst einmal offen zu analysieren (hier wäre eigentlich das Wort “kritisieren” angebracht, für zuviele hat das allerdings einen negativen Beiklang), dann kommt man nicht umhin sich zu fragen, mit welchen Mitteln das überhaupt möglich ist.

Ich bin kein Vulkanier1 – und dennoch sehr darauf bedacht, dass die hinter meinen Aktionen liegenden Motivationen und Systeme logisch fundiert sind. Das ist nicht etwa daraus entstanden, dass ich ernstzunehmende Probleme mit meinem Gefühlsleben hätte – vielmehr ist es meine Überzeugung, dass sie in diesem Fall in die Irre führen würden. Ein Beispiel gefällig?

Haben wir ein Leben lang gelernt, dass es völlig in Ordnung ist sich Sklaven zu halten und den persönlichen Wert eines Menschen darüber zu definineren, wieviele er unterjocht, dann sind wir mit uns selbst zufrieden sobald wir selbst im “Besitz” solcher (aus unserer aufgeklärten Perspektive) armen Menschen2 sind.

Beweise dafür gibt’s…

Käme jemand, der in diesem Umfeld aufgewachsen ist, auf die Idee das Verhalten zu hinterfragen? Wohl kaum. Ein US-Südstaaten-Farmer der eine Plantage von seinen schwarzen Mitmenschen beackern ließ ist ein tolles Beispiel dafür. Heute würden wohl verhältnismäßig wenige Menschen (auch in eben diesen Gebieten!) das gut heißen, selbst wenn ein Ressentiment gegenüber Farbigen ihnen erhalten geblieben sein sollte.

Ein wundervolles Beispiel dabei ist der Philosoph Aristoteles. Er hat wirklich wundervolles zur Entwicklung der Menschheit beigetragen3 – und dennoch in seinem ganzen Leben den Umstand nie hinterfragt, warum ein Mensch den anderen legitim als Eigentum ansehen darf. Er hat zugelassen, dass sein Gefühl der Sicherheit, im Bezug auf seine Moral, ihn darüber nicht hat reflektieren lassen.

Mein Schluss daraus:

Eine Selbstreflexion kann nur dann tatsächlich erfolgreich sein, wenn man sich bei ihr nicht auf das Gefühl einlässt, dass etwas vollkommen in Ordnung ist. Das einzig wirksame Gegenmittel ist, sich an der Ethik zu orientieren, auch wenn diese – im Gegensatz zu so mancher Moral-Definition – keine eindeutigen Antworten auf alles liefern kann.

So … das Werkzeug hätten wir. :)

Die Wahl der Themen

Selbstverständlich wäre, bei strenger Befolgung oben genannter Kriterien, die Chance diesen Versuch zu bewältigen gleich Null. Alles zu hinterfragen hat weder echten Anfang noch Ende. Mein Verhalten bei der Morgentoilette zu analysieren etwa wäre ungefähr so notwendig wie sich zu fragen, ob man seine weiße oder doch die gelbe Lieblingstasse aus dem Schrank nehmen sollte4.

Deshalb ist es sinnvoll sich über die Themen klar zu werden, die man behandeln möchte. Ich für meinen Teil werde das hier, weil es sich als “allgemeine Kritik” anbietet, mit einer klassischen Einteilung machen.

  • Körper
    • Wie stehts um die physische Konstitution?
    • Kann man etwas zum Positiven ändern?
  • Geist
    • Arbeitet mein Verstand einwandtfrei?
    • Gibt es Situationen, in denen er nicht die Hoheit über mein Verhalten behält?
    • Wo sind die Grenzen meiner Auffassungsgabe?
  • Seele
    • Ist mein Gefühlsleben ausgeglichen?
    • Integriere ich Gefühle ausreichend in mein Verhalten?

Schließlich, als Konsequenz aus diesen drei großen Bereichen, stellt sich noch die Frage des Zusammenspiels5. Freilich gibt es viele verschiedene Methoden festzustellen, wie dieses beschaffen ist, und ob da etwas zu verbessern wäre – ich wähle daher mein Verhalten gegenüber anderen um als entscheidendes Mittel zur Analyse, sozusagen als Messlatte, zu fungieren.

Ich könnte jetzt natürlich genau ausführen, warum ich glaube, dass das ein geeignetes Messinstrument ist – aber ich werde es nur kurz umreißen: Unser Verhalten anderen gegenüber; das Wechselspiel zwischen dem was wir tun und wie unsere Umwelt darauf reagiert, ist das einzige, was für uns zählt. Unsere Realität wird dadurch definiert (denn sie ist, subjektiv gesehen, nichts weiter als die Summe unserer Wahrnehmungen – und hier beginnt der Umgang mit anderen Lebewesen und der Umwelt sich auszuwirken).

Die obige Liste dient als Ausgangspunkt. Denn jede der gestellten Fragen ist nichts weiter als der Eintritt in einen Kosmos weiterer Unbekannten.


Anmerkungen

1 Bei strenger Definition ist es allerdings so, dass während einer solchen Analyse das Bild des Vulkaniers als Ideal herhalten muss. Denn, entgegen der landläufigen Meinung, haben diese Kunstfiguren aus dem Star Trek Universum Gefühle – sie schalten sie nur ab.
2 Im alten Griechenland war die Definition von Menschen eine andere als bei uns. Während wir verschiedene Menschentypen als normal und “zu unserer Art gehörend” wahrnehmen, galt damals ein Sklave nicht als Vertreter der gleichen Spezies.
3 Seine Leistungen auf dem Gebiet der Philosophie und Logik sind bis heute wertvolle Überlegungen. Manches von dem was dieser Mann sagte, kann bis heute als gültig empfunden werden.
4 Unter bestimmten Umständen kann beides natürlich sinnvoll sein. Ich denke aber, dass ich mich darauf verlassen kann das der werte Leser versteht, was ich meine…;)
5 Gemeint ist hier zweierlei: Einerseits zwischen diesen drei “Einheiten”, andererseits jene zwischen den jeweiligen Aspekten meiner Persönlichkeit und meiner Umwelt.

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