Neue Alte Welt

Ein gewollt unbequemes Blog.

Eine Selbstreflexion: Körper || Gewicht

Geschrieben von DerSinn am 23/03/2011

Die harten Fakten

Setzt man sich mit sich selbst auseinander, dann ist knallharte Ehrlichkeit wohl die beste Medizin gegen das Gefühl, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Nun kann man über Wissenschaftlichkeit und Pseudowissenschaftlichkeit verschiedener Methoden philosophieren, die uns sagen ob wir uns im Bereich der Magersucht oder der Fettleibigkeit (oh ja … das Wort ist schmeichelhaft, wie?) bewegen. Oder dazwischen – obwohl genau das eher der Knackpunkt bei den Streitigkeiten sein dürfte.

Der Body Mass Index (kurz: BMI) ist eine solche. Viele Stimmen flüstern, dass er von der Nahrungsmittelindustrie und den Versicherungen von seiner Entstehungsphase an begleitet wurde. Ich persönlich halte das für durchaus möglich, werde ihn aber trotzdem dazu verwenden mir eines klar zu machen: Ich bin zu fett. :)

Warum das stimmt

Ich bin etwa 1.85m groß und wiege (aktuell!) 89kg. Mein BMI ist also genau 26, und damit um einen Punkt zu hoch um als “geradenoch ok” gelten zu dürfen. Gut … das ist nicht die Welt. In Wahrheit trennen mich etwa 5-7 Kilo von dem Gewicht das ich eigentlich haben sollte. Im Grunde genommen sollte ich mich darüber bereits freuen, denn noch im Dezember 2010 (vor drei Monaten also) habe ich 107kg gewogen.

In drei Monaten eine Reduktion um 18 Kilo zu erreichen ist grundsätzlich ja gar nicht so schlecht, sollte man meinen. Wenn es etwas gibt über das ich (an guten Eigenschaften) tatsächlich verfüge, dann ist es zweifelsfrei mein starker Wille. Mit Ausnahme einer kleinen Marotte Lehrer betreffend (dazu in einem späteren Teil der Selbstreflexion mehr) gibt es nur wenig, was ich mir nicht zutraue. Habe ich etwas gefunden was für mich als erstrebenswert gilt – ich weiß, dass ich es erreichen werde.

Hungerloser Teenager – Fetter Geschäftsmann

Als ich noch ein Teenager war (und in der Alternativen- und linken Punkszene unterwegs) spürte ich niemals Hunger. Eigenartiger Weise vergaß ich auf’s Essen – und so kommt es, dass ich mit 16 Jahren bei bereits voller Körpergröße nur 60kg wog. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich meine Frau kennenlernte. Und deren Urgroßmutter.

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten (Irokesen-Haarschnitt und Sicherheitsnadeln sind ein Style der um die Jahrhundertwende noch nicht so aktuell war… :eek: ) beschloss sie scheint’s mich “aufzupäppeln” – und plötzlich hatte ich sagenhafte 80kg – und schließlich etwa 97. Und dort hing ich dann jahrelang fest.

Irgendwann wurde es mir zu blöd und ich beschloss etwas dagegen zu unternehmen. Nach einigen Recherchen schienen mir die Weight-Watcher am geeignetsten zu sein um mein Äußeres wieder attraktiver zu gestalten (im Rahmen der Möglichkeiten jedenfalls; Schönheitsoperationen kamen für mich nicht in Frage. Und damit meine ich keine Fettabsaugungen… :cool: ). Und tatsächlich reduzierte ich mich auf einen durchschnittlich schlanken Menschen.

Mit einem hatte ich jedoch nicht gerechnet: Mit der Wirkung eines tollen Jobs auf die eigene Figur. Für denjenigen, bei dem tägliches Essen-Gehen und dauernde Hotelaufenthalte zum Alltag gehören ist es besonders schwierig das Gewicht zu halten – und so war der ganze Erfolg dahin. Als ich meinen Job wechselte spielte das keine Rolle mehr.

In den beiden Schwangerschaften durchlebte ich ein tolles Phänomen: Auf Grund meiner Empathie nahm ich unglaublich zu. Im Fall meines zweiten Sohnes war mein All-Time-Record sogar auf 107 Kilo gestiegen! Und als Ende Dezember dann endlich Tom das Licht der Welt (Ei wie kitschig!) erblickte stand ich mit meinem (Alb-) Traumgewicht da.

Was tun

Wie eingangs schon erwähnt habe ich in den vergangenen drei Monaten etwa 18 Kilo abgenommen. Zum Teil mag das am Ende der Schwangerschaft liegen – zum Anderen an meiner sofortigen Ernährungsumstellung. Ich habe mich wieder auf eine Art “spartanisches Weight-Watching” eingestellt. Zum Glück ist es mir relativ egal was ich esse. Fast-Food ist zwar meine größte Schwachstelle, aber solange ich in kein entsprechendes Restaurant gehe ist alles in Ordnung. :mrgreen:

Meine Planung sieht vor, dass ich “demnächst” damit beginnen werde wieder Sport zu betreiben. Zumindest rudimentär. Ein wenig Fitness-Center kann ja nicht schaden – und es wäre immerhin nicht das erste Mal, dass ich mich dazu aufraffe ein wenig zu trainieren. Diesmal vielleicht ein kleinwenig freiwilliger (denn das letzte Mal, dass ich es ernsthaft betrieben habe, war ich Berufssoldat).

Wenn es etwas gibt, was die Ernährung anbelangt, das verbessert gehört, dann ist es wohl mein Trink-Verhalten. Denn die Wahrheit ist, dass ich mich seit Jahren nahezu ausschließlich mit Cola (light) durch’s Leben schlage; mit Ausnahme von ein paar Ausflügen in die wundervolle Welt des zuckerstarrenden Eistees. Ich trinke freilich zu wenig Wasser.

Es verhält sich nur so, dass ich Wasser einfach nicht mag – und dementsprechend hoch meine Intention ist dieses Manko zu beseitigen. Wenn ich mich dazu zwinge es zu trinken (Stichwort: Wille), dann tu’ ich das meistens so schnell wie möglich. Um ein Haar würde ich dabei die Augen schließen und mir die Nase zuhalten, aber meine Ehre verlangt von mir das wegzustecken. *lach*

Fazit

Eigentlich bin ich mit meinem Gewicht unzufrieden – aber ich tue etwas dagegen. Und das sehr aktiv.

Mein Essverhalten ist an mein derzeitiges Projekt nahezu optimal angepasst, weswegen es mit dem Abnehmen schnell vorangeht. Da ich mir dabei auch noch keinen Stress antue (ich muss ja schließlich nicht unbedingt abnehmen), läuft das ganze ausgesprochen erfolgreich ab. Scheinbar braucht der Mensch das Gefühl etwas “aus freien Stücken” zu tun – ich bin da, ganz offensichtlich, keine Ausnahme.

Alle Trink-Gewohnheiten wären zweifelsfrei zu überdenken. Aber im Augenblick konzentriere ich mich darauf mein Futter umzustellen. Eine Abkehr von Cola (oder Dr. Pepper, beide light!) ist, in Zukunft, sicherlich erstrebenswert – würde mich aber evtl. an die Grenzen des eigenen starken Willens bringen. Und das wäre, insgesamt, nicht ratsam – weswegen ich dieses Projekt erst später angehen werde.

Sport ist bestimmt nicht meine Erfüllung – steht aber als nächstes auf dem Programm. Sobald ich eine Möglichkeit dazu sehe wird’s realisiert. Die Faktoren die mich davon abhalten, werde ich in einem eigenen Punkt erörtern. Vielleicht schaffe ich es ja dort mir zu beweisen, dass es bereits Zeit ist diesen Vorsatz in die Tat umzusetzen? :)


Links
BMI Rechner

8 Antworten zu “Eine Selbstreflexion: Körper || Gewicht”

  1. Alruna )O( sagte

    Hihi, ist doch immer wieder unglaublich, wieviel Energie man auf seine Wunschfigur verwendet. Und trotzdem irgendwie nie so richtig zufrieden ist.
    Ich versuche seit 5 Jahren nur 3 Kilo wegzubekommen – keine Chance… Aber wenigstens wird es auch nicht mehr ;-)
    Ja, das bringt das Eheleben wohl so mit sich. Geregeltere Mahlzeiten, geregelteres Leben – mir hat das auch 12 Kilo dazu beschert, von denen ich die 3 eben wieder wegbekommen möchte (vorher war ich zu dünn und schaffte es nicht zuzunehmen…).
    Pass nur mit den Lightprodukten auf. Diese ganzen künstlichen Süßstoffe wirken appetitanregend und werden in der Schweinemast verwendet!
    Viel Erfolg wünsche ich dir
    Alruna

    • DerSinn sagte

      Aloha! :)

      Die Sache mit den Light-Produkten ist sowieso ein ganz eigenes Kapitel. Wie oben im Text schon erwähnt: Ich trink’ ja fast nur solche. Aber in den Phasen, in denen ich (aus verschiedensten Gründen) plötzlich damit aufhöre, verliere ich sofort 5-10 Kilo. Ehrlich.

      lG,
      Daniel

  2. gabaretha sagte

    Lieber Daniel,
    die Energie folgt der Aufmerksamkeit. …und aus diesem Grund gestaltet es sich manchmal schwierig abzunehmen, wenn Du Dich auf das “zu viel” konzentrierst. Probiers doch einfach mal andersrum: Konzentriere Dich auf das, was Du sehen und fühlen möchtest: Daniel mit gutem Gewicht, das sich auf die richtigen Stellen verteilt. Risiken und Nebenwirkungen hat dieser Versuch nicht ;-)
    Viele sonnige Grüße aus dem heute sehr sonnigen Isartal,
    besser und besser,
    Gaba

  3. Lieber Daniel,

    ich drücke dir nicht die Daumen, denn ich bin davon überzeugt, dass du alles, was du loswerden möchtest, ohne Qual loswerden wirst!

    Deinen Beitrag habe ich mit großem Interesse gelesen, denn normalerweise urteilen nur Frauen so dermaßen selbstkritisch über sich selbst ;) Damit hast du mir eine äußerst interessante Erfahrung geschenkt, für die ich dir sehr danke!

    Sag mal, du magst das wunderbare Quellwasser, mit dem ihr in Wien so reichlich gesegnet seid, nicht? Das erstaunt mich jetzt aber sehr. Wie kommts?

    Alles Liebe
    Anna

    • DerSinn sagte

      Aloha! :)

      Männer sind, und das ist meine feste Überzeugung, genauso selbstkritisch. Der Unterschied liegt aber im Ausdruck. Man(n) ist tunlichst darauf bedacht nicht als jemand zu gelten, der “jammert” oder “wehleidig” ist. Deshalb werden derlei Probleme nicht vor einer Art … Publikum erörtert.

      Aber als jemand, der eine Zeit lang in einem echten Männerverein tätig war (österr. Bundesheer) kann ich nur sagen: Wenn sie unter sich sind, dann wird da jede Menge an sich rumgemäkelt. ;)

      Ich mag Wasser ganz allgemein nicht. Als jemand, der aus der Hauptstadt der Psychoanalyse kommt, möchte ich die Vermutung äußern, dass das etwas mit Kindheitstraumata zu tun hat. So gab’s bei uns niemals Softdrinks. Wenn ich krank wurde, dann “schmuggelte” meine Urgroßmutter einen 6er-Tray Cola ins Krankenhaus oder versorgte mich mit “Bitter Lemon”. Die daraus generierten positiven Erfahrungen müssen wohl den Umkehrschluss erzeugt haben, dass es mir schlecht geht, wenn diese Softdrinks ausbleiben.

      Es liegt also nicht am Wasser – es liegt an mir. :mrgreen:

      lG,
      Daniel

  4. rainer sagte

    Lieber Daniel,

    herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungenen Gewichtsverlust. Ich wünsche Dir, dass Du dieses Gewicht auch jahrelang hälst. Ich habe diesen Artikel gerne gelesen.

    Liebe Grüße Rainer

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