Neue Alte Welt

Ein gewollt unbequemes Blog.

Eine Selbstreflexion: Körper || Ernährung

Geschrieben von DerSinn am 31/03/2011

Seichte Wortspiele

Es ist ja inzwischen hinlänglich bekannt, dass man ist, was man isst. Obwohl dieses simple Wortspiel wohl kaum dazu angetan ist wörtlich genommen zu werden, steckt doch ein Funken Wahrheit darin. Zumindest in so weit, als man wohl kaum aus Atomen und Molekühlen zu bestehen vermag, die nicht von quasi “irgendwoher” kommen – und die Quelle ist nunmal das, was wir so zu uns nehmen1.

Meine Wenigkeit hat eigentlich nie besonders darauf Rücksicht genommen wie sich die eigene Ernährung zusammenstellt. Und genau das ist, in vielerlei Hinsicht, der Ursprung einer ganzen Reihe von Problemen.

Cola-Light-Sucht

Ich weiß gar nicht mehr so recht, wann das angefangen hat. Aber es muss sehr früh geschehen sein. Im Gegensatz zum Rest meiner Familie besaß “mein Zweig” nie besonders viel Geld2. Das hat multiple Ursachen. Und multiple Auswirkungen.

Denn während in meiner Schule alle stets über neue Klamotten verfügten, schlurfte ich in bereits ausgemusterten Kleidungsstücken älterer Verwandter umher. Wo andere Taschengeld bekamen mit dem man im Süßigkeiten-Shop einkaufen konnte, konnte ich nur auf deren Gnade hoffen oder so tun, als wäre es mir gänzlich egal3. Nun … zweiteres funktioniert vermutlich sogar meistens. Ich lernte schnell, dass es besser war reserviert zu wirken als unglücklich. Eine gewisse “noble Enthaltsamkeit” schien mir besser geeignet zu verbergen, dass ich (zumindest zu einem gewissen Grad!) eifersüchtig war.

Im elterlichen Hause zeigte sich das allerdings ganz anders. Heuchelte ich vor Freunden, dass mir der Umstand meiner weniger betuchten Existenz gänzlich egal war, zögerte ich daheim nur selten meinem Unmut Luft zu machen. An die Oberfläche kamen vor Allem kleinere Rebellionen gegen das (durch die Umstände, wie mir als Kind einfach noch nicht bewusst war) gezwungene Trinken von Leitungswasser. Nicht, dass man mich falsch versteht – dieses Wasser hat (in Wien) höchste Qualität! Aber es war eben nur Wasser, wo andere Kinder bereits im Elternhaus Limonaden zu trinken bekamen.

Meine Urgroßmutter schließlich erschien mir immer als eine Art “Retterin in der Not”. Denn waren wir bei meinen Urgroßeltern zu Besuch, so wurden (automatisch) sämtliche parentalen Vorgaben außer Kraft gesetzt – und ich durfte sogar Cola trinken! Ja, wenn ich krank war lieferte sie mir das Gesöff sogar ins Krankenhaus nach! Und ich war oft krank.

Die positiven Gefühle in Verbindung mit diesem seelenlosen Getränk verstärkten sich noch, als ich bemerkte wie mich der Besitz einiger Flaschen von diesem Zeug im “sozialen Rang” auf der Kinderstation steigen ließ.

Im Endeffekt kann man folgendes schließen:

Cola stand für mich in Verbindung mit positiven Gefühlen. Irgendwann verkehrte es sich (wie bei jeder Droge) ins Gegenteil und es wurde notwendig sich mit diesem Getränk zu versorgen um nicht negative Empfindungen zu entwickeln. Eine Abhängigkeit war gewonnen. Und eine Abscheu vor reinem Trinkwasser.

In meinem Leben als Erwachsener habe ich, mit wenigen Unterbrechungen4, beinahe ausschließlich Cola (light) getrunken. Bisher habe ich noch keine Schäden davongetragen – aber wer weiß, ob es mir gelingen wird das je gänzlich abzuschütteln. Im Augenblick bin ich jedenfalls “clean” (wenn man mir den Ausdruck gestattet). Nur beim auswärtigen Essen könnte ich immer noch kein anderes Getränk akzeptieren.

Nahrungsmittel

Was den Rest meiner Ernährung anlangt kann ich, denke ich, relativ zufrieden sein. Gemüse- und Obstaufnahme funktionieren annähernd optimal. Im Augenblick bin ich quasi Vegetarier – halte daran aber nicht zwangsläufig fest. Ich halte nur nicht viel davon zu predigen, dass die Menschheit doch endlich damit aufhören sollte andere Spezies in unwürdigen Bedingungen zu halten und dann trotzdem in ein paar Würstchen zu beißen. Es wäre halbseiden und scheinheilig5.

Fazit

Noch läuft es nicht optimal. Aber ich arbeite daran. Wenn es etwas gibt, an dem ich noch weiter arbeiten muss, ist es die Überwindung die es mich kostet Wasser zu trinken. Immer noch habe ich das Gefühl eine Art “Niederlage” erdulden zu müssen, wenn ich welches trinke. Es wäre mir peinlich dabei “erwischt” zu werden. Aber der Grund dafür ist mir bekannt – und sobald das Problem ausreichende Priorität hat6, werde ich mich darum kümmern.


Anmerkungen

1 Ich sehe davon ab die biochemischen Prozesse zu beschreiben. Ich denke, dass jeder weiß, was gemeint ist – und außerdem bin ich kein Biologe / Chemiker. :mrgreen:
2 Vielleicht komme ich einmal darauf zurück. Denn die Geschichte meiner Familie ist ausgesprochen komplex – aber nicht unbedingt uninteressant, selbst für nicht-Familienmitglieder.
3 Es war nicht so, dass ich gar kein Taschengeld bekommen hätte. Aber in der Volksschule (Grundschule) erhielt ich ab der 3. Klasse soviel davon wie es benötigte sich eine Wurstsemmel mit Gurke zu kaufen (ein dem Big-Mac-Index ähnliches Objekt hier in Wien). Ich hoffe jeder weiß, was eine Semmel ist. ;)
4 In dieser Zeit griff ich meist auf Eistee zurück. Durch den hohen Zuckergehalt nahm ich davon aber jeweils so schnell zu, dass ich dagegen handeln musste.
5 Besonders gefallen mir Menschen, die sich darüber aufregen, dass die Menschen nicht dazu bereit sind mehr dafür zu bezahlen, dass die Fleischproduktion “humaner” abläuft – und selbst kein Geld dafür besitzen entsprechende Ware zu kaufen. Die Redundanz ist ihnen einfach nicht bewusst.
6 Im Augenblick arbeite ich an der Optimierung meiner Essgewohnheiten und am Bekämpfen meines Cola-Light-Problems durch diverse Fruchtsäfte (und phasenweise bereits Mineralwasser). Nur, damit keiner glaubt ich schieb’s vor mir her – ich halte mich strikt an den Plan! ;)

4 Antworten zu “Eine Selbstreflexion: Körper || Ernährung”

  1. KeezRha sagte

    *rüberrutsch*

    Tschaka, du schaffst es! *füge hier ein Cheerleader-Wedeln ein* Auch du kommst von Cola los, glaube mir, denn auch ich bin von sieben (7) Stück Würfelzucker in einer Tasse Kaffee auf drei (3) Stück runtergekommen und von gesüßten Tees auf ungesüßte – von ganz allein und ganz allein aus reiner Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann ;)

    Überwinde deine kindliche Prägung *ommmmmmm* Komm auf die gute Seite, denn unser Weg ist steinig und schwer und geschmacklos (uuuh, Wasser…) und nicht süß und verlockend und kleeeeebrig (verschütt die Cola mal….) wie die dunkle Seite der (Zuckerindustrie-)Macht.
    Siehst du den Smiley am Ende des Kommentars? Er zwinkert dir zu ;)

    In die Sonne entfleucht
    KeezRha

  2. Sati sagte

    Aloha!
    Das erledigt sich voraussichtlich von selbst, da die Einsicht in die Dinge ja bereits gegeben ist. Ich habe jahrelang mogens zum Kaffee eine Dose Cola getrunken, aber die zuckerhaltige. Cola Light war mir geschmacklich ein Gräuel – pure Chemokeule. Der Vorteil der Dose als Gefäß war, daß es die Kohlensäure hielt und ich so über zwei, drei Stunden immer mal wieder an dem verzuckerten Gebräu nippen konnte. Als Kind habe ich Unmengen von Limonade getrunken. Wasser – war mir fremd.
    Heute – ist es umgekehrt. Ich liebe den GESCHMACK von gutem Wasser und würde so ein süßes Chemo-Zeugs nicht mehr trinken wollen. Nein, auch nicht “Bionade” ….
    Allerdings habe ich mit Wasser auch viele Jahre herumprobiert – Wasser ist ja nicht einfach Wasser, sondern eben auch Informationsträger, und so schmeckt es auch – und nun habe ich eine optimale Lösung und trinke gut gefiltertes und wieder-energitisiertes Leitungswasser, welches sich sicher nicht nur geschmacklich erheblich von anderem Wasser unterscheidet. Das Geheimnis ist mir selbst nicht bekannt – ich bekomme es als Grundansatz geschenkt von einer Bekannten und verdünne es jeweils mit sich selbst, über Monate. Der Effekt und Geschmack ist spürbar – sofort – auch für Homöopathie-Ungläubige. Ich gebe es immer gerne weiter.
    Frisches Quellwasser wäre natürlich die Krönung – und wenn ich mal die Gelegenheit hatte, solches zu mir zu nehmen, habe ich das nach zwei Tagen bereits deutlich gespürt – Körper, Knochen und Gelenke fühlen sich anders an, leichter.
    Gutes Wasser ist für mich purer Luxus!
    Meine Cola-Sucht verschwand damals von selbst … wie viele andere Gewohnheiten auch.
    Heute brauche ich auch nicht mehr nachdenken, wenn mich jemand fragt, was ich trinken möchte, das spart Zeit und Energie.
    Prost, Sati

    • DerSinn sagte

      Prost Sati! :)

      Dein Wort in der Götter Gehörgang. Bisher muss ich noch selbst daran arbeiten. *lol*

      Also bisher bin ich 3 Tage (!) “clean” und habe, sozusagen als Totem, eine Flasche Cola-Light in der Küche stehen. Sie ist von einer Marke die ich nicht leiden kann und ungekühlt – kurzum: Vermutlich das grausigste, was man so saufen kann. Wenn ich die aufmache weiß ich, dass ich wirklich ein Problem hab’.

      Was das Wasser anlangt – das glaub’ ich Dir. Leider kann ich mir im Augenblick nur schwer etwas vorstellen, was ich weniger gerne schmecken würde (ähm … was dazu bestimmt ist getrunken zu werden eben…).

      Ich hab’ übrigens erst vor kurzem einen netten Beitrag (im P.M. Magazin) über Homöopathie gelesen (PRO). Ich will ihn noch gegenchecken und dann schreib’ ich vermutlich dazu.

      Danke für Deinen Erfahrungsbericht! :)

      lG,
      Daniel

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